E.R. — Portrait eines Vergessenen.

Performative Spurensuche zu Eduard Rosenthal

Ein Projekt im Rahmen des Botho-Graef-Kunstpreises 2018 »Erkundungsbohrungen – Ein dezentrales Denkmal für Eduard Rosenthal« von Horst Hoheisel & Andreas Knitz

September / Oktober 2020

Für 2021 ist eine Wiederaufnahme geplant!

Eduard Rosenthal hatte zahlreiche Wirkungsstätten in Jena und Thüringen. Die Nationalsozialisten hatten ihn für lange Zeit aus dem Gedächtnis gelöscht. Nun wird der Demokrat, Menschenfreund und Verfassungsvater an fünf Orten seines Wirkens in Jena, Weimar und Erfurt mit einem dezentralen Denkmal gewürdigt. Anlässlich der Einweihung der drei Jenaer Denkmalstandorte wird die Stadt selbst zur Bühne für ein bewegtes Portrait. Die theaterinszenierte Führung markiert Spuren und Fragmente einer vergessen gemachten Persönlichkeit.

Eine unterhaltsame und eigenwillige Entdeckungsreise führt in eine Stadt, die ohne Eduard Rosenthal nicht die heutige wäre. Aus der Perspektive E.R.s schärfen die Teilnehmer*innen den Blick, vermessen Leerstellen und setzen mit historischen Bildabgleichen neue Fixpunkte. Sie markieren Spuren und eindringliche Wendepunkte, hören den Zeitgeist jener Jahre und tauchen in Archive ein, um Vergessenes und Verdrängtes zu bergen. Auf ein ungewöhnliches Wiedersehen und Kennenlernen!

KONZEPT, RECHERCHE & REGIE Anke Heelemann / FOTOTHEK
PERFORMANCE Markus Fennert

VERANSTALTER JenaKultur, Friedrich-Schiller-Universität Jena

www.eduard-rosenthal.de/tour

Michael Helbing schreibt in „Spurensuche in Jena: Ein Bild wird neu gerahmt“ für die TLZ Kultur am 07. Oktober 2020:

Im fünften Jahr wühlt sich das Duo mit diesem Theaterformat durch urbane Zeitschichten. Es hebt den Teppich, unter den Geschichte gekehrt wurde, kratzt am Lack des Vergessens und lässt Putz von Wänden bröckeln, auf dass Erinnerung ins Gedächtnis rieselt.

Die performative Spurensuche (…) folgt stets dem Motto, mit dem uns Fennert jetzt einmal von einer Station zur nächsten ruft: „Weiter geht’s! Vorwärts in die Vergangenheit!“

(…) Es geht auf dieser Tour aber immer um mehr als um Gedenken und Erinnern, es geht auch um eine bisweilen spöttische, bisweilen traurige Kritik der Gedenkkultur selbst.

Fennerts Teleskop-Zeigestab ist kein verlängerter Zeigefinger, eher mutiert er zum Fragezeichen. Der Staubwedel seiner Assistentin, die im Rollwägelchen Dokumente und Fotos spazieren fährt, entfernt an Denkmälern und Gedenktafeln kaum vorhandenen Staub. Was wir entdecken, mag das heißen, lag immer schon offen vor uns.