archiv und kategorien
Die Basis meiner künstlerischen Arbeit ist ein umfassendes Privatfotoarchiv. Die Sammlung umfasst anonyme Fotografien, Dias und Fotoalben der 1920er bis 2000er Jahre. Der vermeintliche Bildabfall stammt von Flohmärkten, aus dem Sperrmüll etc.
Neben einer Konvolut-Erfassung wird ein weiteres Ordnungsprinzip praktiziert, das eine wesentliche Neuordnung des Materials bedeutet und Beziehungen zwischen den Einzelbildern deutlich macht. Einzelbilder werden einem Fund entnommen, kategorisiert und in Karteikästen sortiert. Diese Form Kategorisierung bildet eine feste Größe im Umgang mit dem Material und ist zugleich ein fortlaufender Arbeitsprozess – als ein bewegliches, sich veränderndes System.
Derzeit sind über 150 Kategorien im Atelier einsehbar. Inhaltlich-ikonografische Kategorien wie »Bankpaar«, »Weiße Träume« oder »Total Tanne« zeigen ganz gewöhnliche, immer wiederkehrende Bildmotive. »Fotografenschatten«, »Rechtsbündig« oder »Problemfinger« verdeutlichen eher Spuren des unbedarften, intuitiven Draufhaltens des Knipsers. Durch andere Kategorien wird der Blick des Betrachters eher auf motivische oder formale Besonderheiten und Details gelenkt: »Eingeschlagene Kissen«, »Pflückglück« oder »Hahn im Korb«. Wiederum versuchen die Kategorien »Angriff« oder »Außenseiter« den Bildern etwas zu unterstellen und nutzen die Mehrdeutigkeit der abgebildeten Situation.
Fotos: Thomas Müller, Bernd Hartung, Dominique Wollniok, u.a.