Der FOTOkiosk und seine Angebote sind Teil des Kunstfest Weimar und werden ermöglicht durch die Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar, Initiative kiosk.6 und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek sowie durch die Förderung der Stadt Weimar und der SV SparkassenVersicherung.
Konzept und Umsetzung: Anke Heelemann | FOTOTHEK Co-Kuration: Annett Jahn
Eine neue Ausgabe des OSTEN Festivals steht an! Vom 12. bis 27.9.2026 stehen zwei sehr unterschiedliche Standorte im Fokus: ein leerstehender DDR-Jugendclub in Wolfen-Nord und in das ehemalige Braunkohlekraftwerk Zschornewitz. Das Programm ist mittlerweile veröffentlicht und die FOTOTHEK ist mit dabei. Sie schafft mit neuen Werksausweisen einen ungewöhnlichen Blick auf das Kraftwerk Zschornwitz.
Nur Werksangehörige mit entsprechendem Ausweis kamen auf das Gelände des Kraftwerks Zschornewitz, denn das Kraftwerk gehörte zur kritischen Infrastruktur, um die Energieversorgung zu sichern. Der Werksausweis zeigte, dass man Kraftwerker*in war und dazu gehörte. An der ehemaligen Pforte erhält jede*r Besucher*in einen persönlichen Ausweis. Das sichtbare Tragen ist eine Bedingung, um sich frei auf dem Gelände zu bewegen. Doch diese Ausweise erzählen nicht von Kontrolle und Vorschriften. Sie zeigen die letzten fotografischen und grafischen Fundstücke aus dem Werk: technische Bestandsaufnahmen, Reparatureinsätze, Betriebsfeiern, Hochzeiten oder Zeitungsausschnitte. Sie gewähren Einblicke in das Leben der Arbeiter*innen, ihre Geschichten, ihre Verbindung zum Ort. Von den Besuchenden des Festivals selbst getragen, entsteht so eine sich stetig verändernde Wanderausstellung zwischen den Zeiten.
Die Installation verbindet offizielle Bildwelten der Internationalen Gartenbauausstellung der DDR mit privaten Momentaufnahmen ihrer Besucherinnen und Besucher. Auf einem Fries aus historischen Postkarten erscheinen die Anlagen der iga als sorgfältig komponierte Ansichten, geordnet, repräsentativ und für den öffentlichen Blick bestimmt. Ihnen gegenüber stehen private Fotografien aus Fotoalben, die Heelemann bearbeitet hat. Die abgebildeten Personen sind ausgeschnitten; zurück bleiben Umrisse und Haltungen. Diese Leerstellen öffnen einen Raum für eigene Erinnerungen und Vorstellungen.
Die mobilen Fotografien können von den Besuchenden auf einer Leiste vor dem Postkartenfries verschoben, neu angeordnet und über die Postkarten gelegt werden. So entstehen immer wieder andere Bildkombinationen, in denen private Gesten auf öffentliche Ansichten treffen, persönliche Erinnerung auf kollektive Bildproduktion und familiäre Ausflugsmomente auf staatlich geprägte Repräsentation.
Im zweiten Teil der Installation gehen die herausgelösten Figuren aus den alten Fotografien auf Wanderschaft, installiert in realistischer Dimension am Glaskasten des Palmencafés. Sie werden wieder Teil der heutigen ega-Szenerie und schaffen eine (Wieder-)Begegnung im Jetzt auf Augenhöhe.
Die Installation lädt dazu ein, Erinnerung nicht als festes Archiv zu verstehen, sondern als beweglichen Vorgang. Wer die Fotografien platziert und sich mit ihnen fotografieren, greift selbst in die Bildordnung ein. Die ausgeschnittenen Figuren werden dabei zu Projektionsflächen. Man kann sich in ihre Silhouetten hineinversetzen, eigene Erfahrungen mit fremden Erinnerungsbildern verbinden oder die Distanz zwischen damals und heute ausloten.
Wie sähe eine Sammlung Weimar aus, wenn es sie gäbe? Eine Sammlung, deren Werke Weimar selbst thematisieren, aufzeichnen, spiegeln, mit seinen Unebenheiten, Schlaglöchern, doppelten Böden und Schräglagen, mit seinen Orten, Personen, Mythen und Stereotypen?
Es gibt sie nicht, sie ist imaginär, eine Unsichtbare Sammlung, um mit Stefan Zweig zu sprechen, obschon dessen Novelle mit den Worten endet: Und ich mußte wieder an das alte wahre Wort denken – ich glaube, Goethe hat es gesagt: ‚Sammler sind glückliche Menschen‘. Unglaublich, dass sich Weimar dieses Glück nicht leistet. Wenngleich es eine üppige Anzahl von Werken aus den zurückliegenden Jahrzehnten gibt, die ein aufschlussreiches, sinnliches, bisweilen entwaffnendes Bild des weltgewandten wie kleingeistigen Ortes zu zeichnen wüssten. (…) heißt es da im Ankündigungstext.
Mit dabei neubelichtung. ein album mit weimar. Die interaktive Installation präsentiert eine Auswahl an Bildern – ausschließlich aus Weimar. Sie lädt ein, die Geschichte Weimars neu zu schreiben. Alle Bilder stammen aus dem umfangreichen Archiv vergessener Privatfotografien der FOTOTHEK. Schwarzweiß, farbig und quer durch alle Zeiten. Anonyme private Blicke auf Weimar.
Das Album Weimar ist in Form einer überdimensionalen Fotoalbumseite aufgeschlagen. Eine Vielzahl von Foto- und Textkarten liegen bereit, um das Gestern, Heute und Morgen neu zu arrangieren. Über den Ausstellungszeitraum wächst das Album und schreibt sich an den Wänden der Galerie fort.
Die Schau wurde verlängert und ist noch bis zum 5.7.2026 zu sehen und bis dahin darf man die schwarze Albumseite frei gestalten, die Bilder nach Belieben ordnen und mit Herz und Verstand beschriften.
In Kürze wird hier auch der erste Einblick ins Album möglich sein!
Die Ausstellung beleuchtet das facettenreiche Verhältnis von Fotografie und Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart. Sie versammelt angewandte wie künstlerische Positionen, die diesem Verhältnis nachgehen – sei es mit subtilem Witz, in eindrücklicher Solidarität, oder mit dem Ziel einer präzisen Analyse.
Mit dabei ist eine neue Arbeit der FOTOTHEK. Sie folgt den Spuren, der nachträglichen Bearbeitung von privaten Gruppenbildern – gefunden in meiner Sammlung und in den Beständen des Kunstpalastes. „in gesellschaft“ übersetzt diese Funde in eine interaktive Installation: Überdimensionale Fotohälften werden zu Bausteinen einer temporären, partizipativen Choreografie. Die Besucher:innen sind eingeladen, die Brüche und Leerstellen nicht nur zu betrachten, sondern selbst zu besetzen – und so die Frage nach Erinnerung, Repräsentation und der Konstruktion von Gemeinschaft neu zu verhandeln.
Für erste Bilder von der Installation geht es hier entlang
In diesem Rahmen kehrt auch die Sammlung BTF zurück, da wo alles mit der ersten Sammelstelle angefangen hat im Kino Wolfen. Für zwei Tage eröffne ich die HEFTSTELLE – ein Service des Fachgeschäfts für vergessene Privatfotografien.
Besucher:innen haben die Möglichkeit, ihr ganz persönliches Fotoheft anfertigen zu lassen. Dafür wird vor Ort kopiert, gefaltet, geheftet und geprägt. Jedes Fotoheft ist ein Unikat, jedes eine eigene Geschichte Bitterfeld-Wolfens in Bildern.
Die Heftstelle produziert auf jeden Fall und sicherlich auch länger am 13.09.2025 14 bis 18 Uhr und 14.09.2025 11 bis 14 Uhr.
Im Programm sind die beiden Bühnenabende Kuba Orangen von Medina Viviana und Namen, die wir tragen von Michikazu Matsune zu erleben, die auch im Rahmen des Festival OSTEN letztes Jahr entstanden sind.
Eine Gruppenausstellung Thüringer Künstlerinnen und Künstler
mit Cornelia Erdmann, Michael Ernst, Martin Fink, Claudia Fischer, Samantha Font-Sala, Rüdiger Franke, Cosima Göpfert, Johannes Gräbner, Jana Gunstheimer, Anke Heelemann, Ute Hermann-Venus, Marc Jung, Anna Kant, Nora Klein, Katrin König, Nina Lundström, Thomas Prochnow, Michael Ritzmann, Anke Stiller, Thomas Taube, Cornelia Theimer Gardella, Ulrike Theusner, Jorge Villalba, Peter Wackernagel, Kristin Wenzel
Mein Beitrag »kopierschutz, sorry!« beschäftigt sich mit ganz besonderen Bildern: Auf Online-Verkaufsplattformen werden in rauen Mengen Privatfotografien jeglicher Couleur u.a. unter dem Schlagwort echt alt feilgeboten. Auffällig ist bei den verschiedensten Anbietern das Bedürfnis ihre Bildware vor weiterer Verbreitung schützen zu wollen. Dafür finden sie kreative Lösungen und nutzen u.a. ganz analoge Hilfsmittel, wie Streichhölzer, Stifte, Gummis, um ein analoges Wasserzeichen zu erzeugen. Die zum Verkauf stehenden Fotografien bekommen so eine ganz neue Erzählung und überraschende grafische Qualität. Mit der interaktiven Installation kommen die neuen Bilder in Bewegung. Die Ausstellungsbesucher:innen nehmen das in die Hand – sie wählen aus, stellen zusammen, tragen es ist die Welt. Alle Bilder sind beweglich und ein Fotokopierer steht bereit.
Weitere Veranstaltungen:
25.01.2025 14 Uhr Projektpräsentation im FOTOTHEK Atelier in Weimar
Ich stelle mein FOTOTHEK Projekt vor, die Idee und das Anliegen, das Archiv der vergessenen Fotos. Wir blicken auf 18 volle Jahre zurück und schauen wohin die Reise noch gehen kann. Um Anmeldung wird gebeten.
Darüber hinaus gibt es in der Kunsthalle selbst am 22.01.2025 um 18.30 Uhr noch einen Artist Talk mit Künstler:innen der ersten und zweiten Ausstellungsrunde von „Next Generation“ und am 09.02.2025 um 15 Uhr wird zur Finissage geladen.
Reguläre Öffnungszeiten: Donnerstag und Samstag 15 bis 19 Uhr
Im Rahmen der Berlin Art Week startete die zweiteilige Ausstellung in Zusammenarbeit mit neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK). Sie ist eine bearbeitete Übernahme der 2022/23 von Annett Jahn und Ulrike Mönnig für die ACC Galerie Weimar entwickelten Ausstellung.
Anlässlich dieser Glücks-Reise habe ich meine künstlerische Intervention »zeitloch« erweitert. Die selbstleuchtenden Guckkästen laden ein, in eine andere Welt einzutauchen. In einer besonderen Collage-Technik verschmelzen mehrere Originaldias zu einem Bild, verschmelzen Ort und Zeit. Sie vereinen sich zu poetischen mitunter rätselhaften Szenerien.
Im Festivalzentrum der alten Feuerwache der Filmfabrik in Wolfen bespiele ich den ehemaligen Aufenthaltsraum über den gesamten Zeitraum des Festivals – alle Festivaltage von 14 bis 19 Uhr, am 1.6. ab 16.30 Uhr.
Alte Feuerwache Wolfen // Areal A, Gebäude 046, Bunsenstraße // 06766 Bitterfeld-Wolfen, Ortsteil Wolfen
Das Verhältnis der Deutschen zu den Zwangsarbeiter:innen war durch den nationalsozialistischen Rassismus geprägt. Dies spiegelte sich auch in den umfassenden Reglementierungen wider, die die NS-Behörden für sämtliche Lebensbereiche erließen. Die Interventionen holen einige Regeln als „Störer“ in den öffentlichen Raum, und zwar vor allem dorthin, wo sie im damaligen Alltag des Nationalsozialismus gegolten hätten: im öffentlichen Nahverkehr, im Stadtraum, an Orten der Kultur, der Arbeit und Freizeit.
Ab 29.04.2024 werden verschiedene Formate in Weimar und Thüringen sichtbar und begleiten die Eröffnung des Museums Zwangsarbeit im Nationalsozialismus am 08.05.2024 in Weimar.
Das Projekt basiert auf dem Grundgedanken, das es von der Stadt Weimar und darüber hinaus mitgetragen wird. Es soll nicht vordergründig die Öffnung des Museums beworben werden, sondern vielmehr das Bewusstsein für das Thema Zwangsarbeit in allen öffentlichen Bereichen geschaffen werden, so wie auch die Zwangsarbeit überall stattgefunden hat.
Eine Vielzahl von Unterstützer:innen gibt den Schicksalen von Zwangsarbeiter:innen Raum und trägt dazu bei, den alltäglichen und systematischen Rassismus der NS-Gesellschaft vor Augen zu führen. Sie stellen dafür Platz zur Verfügung in Ihren Publikationen, Websites, Räumlichkeiten oder Postkartenständern, auf Social Media oder dem städtischen Mobiliar, in Bussen, auf Bahnhöfen oder an Haltestellen.
Im Zentrum stehen in diesem Jahr die bewegte Geschichte der Film- und Faserproduktion im Stadtteil Wolfen und internationale Perspektiven auf den Strukturwandel. An mehreren Orten der Industriekultur erwarten euch/Sie jede Menge spannende Theater- und Musikstücke, Performances, Filme, Workshops, Gespräche, Ausflüge und vieles mehr.
Die FOTOTHEK ist mit dabei! Ich werde alle Festivalwochenenden vor Ort sein.
Auf ein Kennenlernen und Wiedersehen in Wolfen!
getextet von
№ Festival OSTEN x FOTOTHEK / Programm veröffentlicht